
Betthupferl – Folge #25
15. September 2025
Betthupferl – Folge #27
29. Oktober 2025Betthupferl – Folge #26
Von Christian Topel
“Ich bin alles andere als bereit”, flüstert Sebastian seinen metallenen Handfesseln zu.
Er kommt sich vor wie dereinst Michael Knight, der von David Hasselhoff gespielte Held einer alten Fernsehserie, der über eine Armbanduhr mit seinem schwarzlackierten Pontiac Trans Am kommunizieren konnte – ein sprechendes Auto, das allerhand Tricks draufhatte.
Vielleicht war die Karre ja auch von einem Plappergeist besessen, überlegt Sebastian. Andererseits, dieser K.I.T.T. kam seinem Fahrer immer zur Hilfe. Snørre hingegen reitet ihn seit der ersten Sekunde immer nur weiter hinein in die Scheiße. Während er das Wort denkt, zuckt er kurz zusammen. Laut ausgesprochen, zuhause, in Anwesenheit von Karin und den Kindern, hätte er jetzt einen Fünfer in die Fluchkasse werfen müssen, mindestens.
Ich würde einen Hunderter bezahlen, um jetzt bei ihnen zu sein, denkt Sebastian und spürt einen so dicken Kloß im Hals, wie er nur aus Heimweh und Liebe gebacken werden kann.
“Was zur Hölle hindert dich noch daran, den Fluch zu beenden?”, zischt Snørre.
“Irgendwas stimmt nicht”, sagt Sebastian.
Die rotglühenden Augen des sogenannten Seelenwächters scheinen kurz aufzuflackern, als Sebastian seine Zweifel äußert.
“Komm schon”, drängt Snørre, “ich habs dir doch wirklich hundertmal erklärt, jetzt brings endlich zu Ende!”
Der Plappergeist scheint mal wieder gewandert zu sein. Die Antwort kommt aus Sebastians linkem Wanderschuh. Jener Schuh, erinnert sich sein Träger, den er behauptete fressen zu wollen, falls dieses absurde Passwort seine Richtigkeit haben sollte. Will ihn Snørre sanft an die Wette erinnern? Liebt der Plappergeist den fauligen Geruch verschwitzter Socken? Oder verliert er jetzt doch endlich komplett den Verstand, da er sich in solch einer Situation solche Fragen stellt? Sebastian atmete tief durch.
“Mir kommt da so einiges Spanisch vor”, erklärt Sebastian. Sein Schuh scheint aufmunternd zu nicken, also fährt er fort.
“Abgesehen von der fadenscheinigen Begründung, warum ein jahrhundertealtes Passwort angeblich Kartoffelsalat lauten soll, dürftet ihr eigentlich gar kein Passwort suchen! Losungswort hätte man früher wahrscheinlich gesagt, aber sicher nicht Passwort!
Noch verdächtiger: Der Seelenwächter hier hat sich zuerst als Custarion vogestellt. Ich war zwar noch ziemlich belämmert, drüben, im ersten Raum, aber daran erinnere ich mit gut. Vorhin behauptete er aber, er heiße Auric. Da ist eindeutig was faul!”
Begleitet von einem markerschütternden Gong schießt ein Blitz aus dem Spiegel, der die Höhle in ein gleißendes Licht taucht. Der Seelenwächter wächst auf übermenschliche Größe heran und blickt von weit, weit oben auf Sebastian hinunter – mit irgendwie mildem Gesichtsausdruck, sofern zwei rotglühende Höhlen in einem zerfurchten, schattigen Gesicht überhaupt zu einem milden Blick fähig sind.
“Gratulation, Sebastian Aurelius Brettschneider”, donnert das Wesen. “Du hast soeben bewiesen: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
“Äh, das ist doch geklaut”, flüstert Sebastian.
“Nein, nein”, antwortet Snørre, "woher glaubst du wohl, hatte dieser Franzose die Worte? Leider ist er letztlich gescheitert. Mach du jetzt nicht denselben Fehler, entscheide dich weise!”




