
Betthupferl – Folge #24
1. September 2025
Betthupferl – Folge #26
30. September 2025Betthupferl – Folge #25
Von Catherine Faber
„Mama, die Vögel essen den Mann!“, flüstert Sabine ehrfürchtig.
„Nein, nein, mein Liebling“, haucht Karin und versucht, ihre Tochter zu beruhigen – was ihr bei dem sich ihr bietenden Anblick nicht leicht fällt. „Sie wollen bestimmt nur mit ihm spielen. Mach trotzdem die Augen zu, ja? Dein Bruder gehorcht auch ganz brav.“
Quirin drückt sich an seine Mutter und singt lauthals Hänschen Klein, wie Karin es ihm aufgetragen hat, damit er die kläglichen Laute des Pfaffen nicht mehr mitbekommt.
Der Bischof kreischt wie ein angezündeter Marder. Mit erhobenen Armen versucht er, die Dohlen zu verscheuchen, die sich um ihn scharen, auf ihm landen, nach ihm picken. Vergeblich. Es sind zu viele.
Inmitten des Tumults fliegt plötzlich Karins Rucksack aus dem Getümmel, segelt in einem eleganten Bogen hinab und landet direkt vor ihren Füßen. Eine der Dohlen setzt sich vor Karin und nickt ihr zu, als wolle sie ihr etwas mitteilen.
Karin atmet tief durch. Der Dolch im Rucksack ist so nah, aber wie soll sie sich damit frei schneiden, wenn sie doch an ihre Kinder gefesselt ist? Die Dohle vor ihr stößt einen spitzen Pfiff aus, woraufhin es neben ihnen im Gebüsch zu rascheln beginnt.
Drei flinke Eichhörnchen hüpfen fröhlich auf den Rucksack zu, greifen nach dem Dolch und machen sich tatsächlich daran, Mutter und Kinder freizuschneiden. Karin traut ihren Augen nicht. Sie blinzelt mehrfach, versucht zu begreifen, was da gerade geschieht. Doch es passiert alles zu schnell, um einen klaren Gedanken zu fassen.
Zwei Minuten und mehrere „Aua, verdammt“-Momente später sind sie und die Kinder frei und die Eichhörnchen verschwinden wieder im Wald. In der Ferne sieht man den Bischof stolpernd davonrennen, die Dohlen dicht hinter ihm, als hätten sie noch eine Rechnung mit ihm offen.
„So“, sagt Karin gefasst. „Euer Vater steckt vermutlich hier irgendwie fest, und wir… wir gehen diesem komischen Priester jetzt einfach hinterher. Will jemand noch einen Schluck trinken?“
„Nein, aber aufs Klo!“, jammert Quirin.
„Kind, wenn du nicht bald lernst, in Extremsituationen deine Blase zu ignorieren, wirst du im Leben keinen Blumentopf gewinnen“, knurrt Karin – und marschiert los.




