
Betthupferl – Folge #28
12. November 2025Betthupferl – Folge #29
Von Catherine Faber
Der Felsspalt ist enger, als Karin es erwartet hatte.
Ihre Schulter schrammt am Fels entlang, und die Hirnbirn stößt zweimal dumpf gegen die Tropfsteinwand, was Quirin natürlich sofort kommentiert.
„Obacht Mama, du gehst sonst noch kaputt!“
„Ich bin schon kaputt“, knurrt Karin, während sie sich seitwärts durch den schmalen Gang schiebt wie eine schlecht geölte Sardine. „Aber wir werden jetzt durchhalten und euren Papa finden!“
Hinter ihr tapst Sabine vorsichtig in ihre Fußstapfen.
„Mama?“
„Ja?“
„Wenn wir den Papa finden … dürfen wir uns dann später im Souvenirshop was aussuchen?“
Karin bleibt stehen. „Im Ernst? Wir sind auf einer Rettungsmission und du willst irgendeinen neuen Schrott fürs Kinderzimmer?“
„Ja, aber … Souvenirshop.“
„Quirin?“
„Ich find’s nur fair“, sagt Quirin. „Wir arbeiten ja jetzt quasi. Kinderarbeit. Da muss es dann schon auch eine Bezahlung geben.“
Karin schließt kurz die Augen. Diese Kinder… Atmen. Tief atmen. Du schaffst das. Du bist eine Löwin. Eine Löwin. Eine - „AUA!“
„Mamaaa?“
„Ich bin nur gegen einen … äh … spitzen Stein gelaufen. Alles gut. Wir gehen weiter!“ Karin reibt sich das Knie, sammelt sich und leuchtet vor sich weiter in die Höhle hinein. Der Gang öffnet sich ein Stück, und die Luft wird etwas kühler. Ein leises Rumpeln dringt aus der Dunkelheit.
„Mama?“, flüstert Sabine. „War das Papa?“
Quirin schnaubt. „Quatsch, der Papa rumpelt anders!“
„Wie rumpelt der Papa denn?“, fragt Karin.
„Naja … so ein bisschen wie ein altes Sofa?“
Sabine und Quirin kichern.
„Kinder“, zischt Karin. „Bitte. Ernst bleiben.“
Vorsichtig gehen sie weiter, hinein in das Dunkel und die Stille des Gebirgsmassivs. Tropfen klatschen irgendwo auf Stein, und das Echo ihrer eigenen Schritte klingt wie das Scharren eines Ungeheuers. Karin unterdrückt den Drang, den Rückwärtsgang einzulegen. Nein. Ich will meinen Sebastian wieder!
Plötzlich taucht ein schwaches Licht vor ihnen auf.
„Mama! Da vorne!“ Sabine zeigt auf eine Stelle, an der die Felswände einen schiefen, natürlichen Torbogen bilden. Dahinter glimmt etwas
„Das … könnte eine Lampe sein“, murmelt Karin. Oder ein leuchtendes Höhlenmonster, aber das sag ich jetzt nicht laut.
Der Tunnel knickt ab, danach stehen Karin und die Kinder in einer kleinen Nische im Fels, in der tatsächlich eine Taschenlampe liegt. Karin bückt sich und hebt sie auf. „Das ist Papas“, sagt sie, und diesmal klingt ihre Stimme ein bisschen zu hoch, ein bisschen zu dünn.
„Dann ist er nicht weit weg“, sagt Quirin. „Oder er wurde schon gefressen“, fügt er flüsternd hinzu.
„Quirin!“
„Was denn?“
„Das bringt keinen weiter!“ Karin drückt ihrem Sohn die Taschenlampe in die Hand und richtet sich auf. Ihr Herz hämmert, aber diesmal nicht nur vor Angst, sondern vor Entschlossenheit. Sebastian. Ich komme.
„Kinder“, sagt sie fest. „Ab jetzt keine Papa-Gefressen-Szenarios mehr, verstanden?! Wir finden ihn.“
Sabine nickt tapfer, während Quirin die Lampe erhebt wie ein Schwert.
„Auf in den Berg!“, ruft er.
„Nicht so laut!“, zischt Karin. Im nächsten Moment raschelt es hinter einer Felswand. Alle drei halten gleichzeitig die Luft an und Quirin leuchtet zögerlich in die Richtung des Geräusches.
„Papa…?“
Ein Schatten bewegt sich. Sabine keucht.
Quirin flüstert: „Das ist nicht Papa. Der rumpelt anders.“
Karin ballt die Fäuste. „Okay“, knurrt sie. „Jetzt wird’s interessant.“





