
Betthupferl – Folge #22
4. August 2025
Betthupferl – Folge #24
1. September 2025Betthupferl – Folge #23
Von Catherine Faber
„Kartoffelsalatemotion“, wiederholt die Frau im Spiegel immer und immer wieder.
Es klingt wie ein aberwitziges Mantra, das sich tief in Sebastians Gehirn einbrennt. So ein Schwachsinn.
„Kartoffelsalatemotion“, ruft sie nun lauter. Dieses Mal mit so viel Pathos, dass Sebastian fast erwartet, dass sich irgendwo ein Portal auftut oder eine Fanfare ertönt.
Doch nichts weiter passiert. Nur ein Staubkorn segelt durch die Luft. Sebastian blickt immer noch verwirrt in den Spiegel.
„Du bist dir da ganz sicher mit dem Passwort, oder?” fragt Sebastian. "Nicht, dass ich jetzt wegen einem Kartoffelsalat und zu vielen Emotionen für immer in diesem Loch festsitze.“
„Es ist wahr. Du hast dich nicht verhört“, sagt die Frau, die inzwischen ihre Haarsträhnen zu ordentlichen Zöpfen geflochten hat. „Das Passwort ist seit Jahrhunderten unverändert. Wusstest du, dass Kartoffelsalat im 17. Jahrhundert gar nicht aus Kartoffeln, sondern aus Rüben gemacht wurde? Damals waren Kartoffeln eine Delikatesse für die Reichsten. Und daher auch aufgeladen mit vielen Emotionen. Ist doch klar.“
„Nein, das wusste ich nicht“, murmelt Sebastian.
„Weißt du dann wenigstens, dass Seeotter immer denselben Lieblingsstein bei sich tragen?“ fährt sie ungerührt fort.
Sebastian kneift die Augen zusammen. „Was hat das mit dem Passwort zu tun?“
„Gar nichts. Aber unnützes Wissen ist wie Keksbrösel im Bett – sie finden immer einen Weg zu dir.“
Die Kette an Sebastians Handgelenk klimpert zustimmend. „Stimmt. Zum Beispiel: Wombats kacken Würfel.“
„Danke, Snørre. Das ist genau die Art Unterstützung, die ich gerade brauche.“ Sebastian reibt sich genervt die Schläfen.
Die Frau im Spiegel lächelt wissend. „Im All riecht es übrigens nach gegrilltem Steak. Falls du mal dort vorbeikommst. Passt auch gut zu Kartoffelsalat…“
„Kann ich jetzt bitte endlich nach Hause?“ Sebastians Gedanken fahren Karussell. Was zur Hölle soll er hier? Wer zum Geier verarscht ihn hier?
„Geduld. Der Spiegel prüft, ob du wissenswürdig bist.“ Die Frau legt das Kinn in die Hand. „Also… weißt du, warum Geister niemals durch Salz hindurchgehen?“
Sebastian zieht eine Augenbraue hoch. „Weil sie Angst haben, dass sie danach Durst kriegen?“
Die Frau im Spiegel verzieht keine Miene. „Weil Salz Energie bindet. Das weiß doch jedes Kind.“
Die Oberfläche des Spiegels beginnt zu flirren. Ein leises Summen setzt ein, wie das Brummen eines Kühlschranks.
„Gut. Nächste Frage: Warum ist eine Erdbeere keine Beere, eine Banane aber schon?“
Sebastian verzieht das Gesicht. „Weil Botaniker seltsam sind?“
Das Summen wird lauter und der Spiegel beginnt zu glühen. „Sebastian, ich glaube, du musst gerade eine Art Prüfung bestehen”, flüstert Snørre.
„Prima. Und was gewinne ich? Eine Kreuzfahrt durchs Jenseits?“, zischt er zurück.
Plötzlich beginnt die Frau im Spiegel zu lachen. Sie windet sich, wippt ihre Hüften erst nach links, dann nach rechts. Ihre Zöpfe wehen um ihren Körper, während sie die Augen weit aufreißt und ruft: „Dreh dich jetzt um, Erbe der Spiegelseele. Träger des Schlüsselwortes. Letzter der Hörenden – und nenne Auric das Passwort.“
„Auric? Wie Auric Goldfinger aus James Bond?“
„Was soll ein Goldfinger sein?“
„Vergiss es, das würde zu weit führen.“ Sebastian atmet tief durch, dreht sich um – und steht plötzlich vor einer Gestalt, die aussieht, als hätte jemand einen Mantel aus Schatten genäht und ihn mit zwei glühenden Augen bestickt.
„Auric“, sagt die Frau im Spiegel feierlich, „er ist bereit.“




