
Betthupferl – Staffel 2 | Folge 3
21. Mai 2026Betthupferl – Staffel 2 | Folge 4
Von Christian Topel
“Der Socken-Sebi ist eifersüchtig, der Socken-Sebi ist eifersüchtig!”
Karli und der dicke Uli tanzten – nun gut, Letzterer walzte eher – um das kleine Lagerfeuer, das die Truppe unter ihrer Brücke ganz am westlichen Rand der Stadt entzündet hatte, und trällerten ihr neckisches Schmählied. Sie waren vom täglichen Observieren zurück und hatten pflichtschuldig Bericht erstattet. Ein Bericht, den Sebi (den ihm von seinen Kompagnons aufgedrückten Socken-Stempel geflissentlich außer Acht lassend), auch nach Abzug einiger in seinen Augen hundertprozentig erfundener Vorfälle als besorgniserregend einstufte. Eine Sorge, die ihm womöglich allzu deutlich ins Gesicht geschrieben war, die aber selbstverständlich nichts, rein gar nichts mit Eifersucht zu tun hatte!
Was ging es ihn an, ob und mit wem sich seine Frau (den aus juristischer Sicht eigentlich notwendigen Zusatz Ex geflissentlich außer Acht lassend) verabredete?! Die meisten dieser Flachzangen hatten bis dato ohnehin nach einiger Zeit stets das Weite gesucht. Wahrscheinlich immer dann, wenn Karin sich öffnete und von ihrer Vergangenheit sprach.
Von einer Zeit, in der die damals noch intakte Familie in seltsame Ereignisse gestürzt war, an die sich Karin und die längst erwachsenen Kids aber nicht mehr erinnerten; eine Art traumatisch bedingter Amnesie, vermutete Sebi, der nach dem Erwachen aus dem Koma zunächst selbst lediglich dunkle Ahnungen und hin und wieder in Alpträumen aufblitzende Erinnerungsfetzen durchlebte. Bis eines Tages diese Stimme wieder begann, zu ihm zu sprechen; und er diese folgenschwere Entscheidung hatte treffen müssen. Zu ihrer Sicherheit, wie gesagt. Zur Sicherheit von Sabine, Quirin und Karin.
Sebi seufzte. Eigentlich schade, dachte er, eigentlich wünschte er Karin natürlich einen verständnisvollen, nachsichtigen, würdigen Partner. Einen wie ihn.
“Hey du süßer Fratz, wo willst du denn hin?!”, rief Karli plötzlich und krabbelte auf allen Vieren hinaus aus der flackernden Korona ihres Feuerchens. Wenn der Wodka die weißen Mäuse manifestierte, kannte Karli kein Halten mehr.
Der dicke Uli ließ sich neben Sebi auf die Isomatte plumpsen. Leider mit seiner verstimmten Gitarre in der Hand. Sebi schwante Grauenvolles.
“Der King war auch mal in dieser Situation”, raunte der dicke Uli.
Sebi nickte nur, ein leises “mhm” in die Nacht flüsternd. In Graceland, dachte er sich, hockte Presley, wenn überhaupt, zumindest vor einem prasselnden Kaminfeuer, wahrscheinlich auf einem Bärenfell, und nicht wie wir drei Hallodris unter einer scheiß Brücke auf zerlöcherten Isomatten.
“Aber dann hat er seiner Priscilla einen Song geschrieben”, fuhr der dicke Uli fort und nahm seine Klampfe auf den Schoß.
Oh Gott, bitte, tu´s nicht!, dachte Sebi.
“Du musst deiner Karin jetzt auch beweisen, dass du dich nach ihr verzehrst, Junge!”, sagte der dicke Uli und schrammelte einen Akkord.
“Pass auf! Wir stellen uns unter ihr Schlafzimmerfenster und”
Maybe I didn't love you
Quite as often as I could have
“Äh, lieb gemeint, wirklich, Uli, aber sie ist nicht so die Romantikerin”, sagte Sebi schnell.
And maybe I didn't treat you
Quite as good as I should have
Der dicke Uli schloss die Augen, eine Oberlippe zuckte leicht, genauso, wie er es vom King kannte.
If I made you feel second best
Girl, I'm sorry I was blind
You were always on my mind
You were always on my mind
“Ha, hab ich dich!”, brüllte Karli, irgendwo draußen in der Dunkelheit, gefolgt von einem gotterbärmlichen Fiepsen.
Sebi und der dicke Uli sahen sich erschrocken an. Karli kam stolz zurückgestapft in den warmen Schein des Feuers.
“Ist das nicht die putzigste Maus, die je ein Mensch gesehen hat?!”
Aus seinen einen langen Schwanz festhaltenden Fingern baumelte die fetteste Ratte, die Sebi in seinem ganzen Leben gesehen hatte. Sie zwinkerte ihm zu.
Dann quiekte sie ein herzerfrischendes “Howdy Männer” in die Runde.





